3D-Fernsehen – Auslaufmodell oder wertvolles Feature?

Erste 3D-Filme wurden bereits 1922 aufgeführt, in den 50er kam die Möglichkeit dazu, 3D-Filme in Farbe zu sehen. Mit Avatar 2009 kam endgültig das 3D-Format als fester Bestandteil des Kinoprogramms zurück. Avatar bleibt bis heute auch der erfolgreichste 3D-Film aller Zeiten. 3D-fähige Fernseher gibt es seit 2010.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde durch den Briten William Friese-Greene für 3D-Filme ein Patent beantragt. 1915 wurde in New York ein erster 3D-Testfilm gezeigt, der erste längere Film in 3D kam 1922 mit der „rot-grün“ Technik, allerdings als Stummfilm.

Anfang der 50-Jahre kam es erneut zu einer Hochphase des 3D-Films, diesmal mit der Polarisations- statt der „Rot-Grün“-Technik. Diese Phase war aber bereits nach kurzer Zeit wieder zu Ende.

Mit Avatar 2009 kam die Renaissance des 3D-Films, seitdem sind diese wieder präsent in den Kinos. Durch den technologischen Fortschritt waren ganz neue Möglichkeiten gegeben und die Technik hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Dies war auch der Grund dafür, dass 2010 Unternehmen damit begannen, 3D-fähige Fernseher zu produzieren, um die Filme auch zuhause sehen zu können.

3D Brille um Filme in 3D anschauen zu können

Welche Arten von 3D-Fernsehen gibt es und wo liegen ihre Vorteile und Nachteile?

Insgesamt gibt es 4 verschiedene Arten von 3D-Fernsehen, die wir hier vorstellen, diese sind:

  • Aktives 3D (Shuttertechnik)
  • Passives 3D (Polarisationstechnik)
  • 3D ohne Brillen
  • Curved Fernseher

Die ersten beiden genannten Techniken benötigen Brillen, die anderen beiden nicht. Gerade Curved Fernseher sind als Alternative zu 3D umstritten. Wie die Techniken funktionieren und wieso Curved umstritten ist, erklären wir dir im folgenden Abschnitt.

Aktives 3D-Fernsehen/ Shuttertechnik

Bei aktiver 3D-Technik wird innerhalb von Millisekunden in der 3D-Brille abwechselnd ein Auge verdeckt, wodurch ein Raumeffekt erzeugt wird. Die Bildauflösung bleibt gleich, allerdings wird die Helligkeit durch die Brille niedriger. Zudem sind die Brillen in der Anschaffung teuer.

Der Begriff „aktive 3D-Technik“ wird verwendet, weil die Brille aktiv jeweils eine der beiden Brillengläser abdunkelt, damit nur ein Auge den Bildschirm sieht. Dies geschieht innerhalb von Millisekunden. Durch das abwechselnde Abdunkeln und geringfügig veränderte Bilder entsteht so der 3D-Effekt.

Dafür benötigt man eine hohe Bildwiederholungsrate und eine hohe Helligkeit. Ist die Bildwiederholungsrate nicht hoch genug, entsteht kein oder kaum der 3D-Effekt. Da die Shutterbrillen die Bildwiederholungsrate fast halbieren, wird eine Bildwiederholungsrate von 120 Hz empfohlen. Die Helligkeit muss hoch genug sein, weil die Brillen das Bild dunkler erscheinen lassen.

Dafür wird bei aktivem 3D-Fernsehen die Bildschirmauflösung nicht reduziert. Wenn du einen Film auf einem Full HD-Bildschirm schaust, wird dieser auch durch die 3D-Brille in Full HD-Auflösung wiedergegeben!

Dadurch, dass die Brille aktiv die Bilder wechselt, benötigt sie eine Stromquelle. Deswegen ist in den meisten Brillen eine Batterie verbaut. Diese macht die Brille im Vergleich zu den Polarisationsbrillen deutlich schwerer und teilweise auch unbequemer, weil sie ein höheres Gewicht haben. Das hängt aber natürlich vom persönlichen Empfinden ab. Auch sind die Brillen meist nur mit einem Hersteller kompatibel.

Die Shutterbrillen für aktives 3D-Fernsehen sind zudem teurer als die Polarisationsbrillen beim passiven 3D-Fernsehen, weil u.a. eine Batterie verbaut werden muss. Wenn man 4-5 Brillen kaufen möchte, kann dies schnell mehrere hundert Euro kosten.

Laut Nutzern tritt bei aktiver 3D-Technik auch das Problem von „Ghosting“ oder „Crosstalk“ (sog. Doppelkonturen) auf, wenn der Fernseher z.B. nicht schnell genug das Bild wechselt oder das Auge nicht schnell genug abgedunkelt wird, das hängt von der Qualität der Brillen ab.

3D Fernsehen mit Rot-Blau-Brille

Passives 3D-Fernsehen / Polarisationstechnik

Bei der passiven 3D-Technik sind in den Polarisationsbrillen auf einer Seite vertikale Polfilter und auf der anderen horizontale Polfilter eingebaut. Dadurch nimmt das Auge Bilder verschieden wahr und der 3D-Effekt entsteht. Die Helligkeit bleibt gleich und die Brillen sind leichter und günstiger, dafür wird die Auflösung durch die Brille fast halbiert.

Passives 3D-Fernsehen wird es genannt, weil die Brillen im Gegensatz zur aktiven 3D-Technik nicht die Gläser abdunkeln, sondern von vornerein so eingestellt sind, dass sie die Bilder unterschiedlich filtern, und so den 3D-Effekt herstellen. Beim Bildschirm sind ebenfalls Polfilter installiert, die dafür sorgen, dass jedem Auge verschiedene Bilder geliefert werden.

Für die Bilderzeugung gibt es verschiedene Verfahren, in den Kinos wird meistens ein Projektor mit Polfiterrad verwendet, in IMAX-Kino hingegen werden meistens Doppelprojektoren genutzt.

Vorteile

  • Günstige 3D-Technologie
  • 3D-Brillen sind angenehmer zu tragen
  • Kein Helligkeitsverlust

Nachteile

  • Auflösung halbiert sich (Full HD wird zu HD)
  • Zeilenstruktur bei zu geringem Abstand erkennbar
  • Beim Aufstehen verwischt das Bild

Ein Vorteil von passivem 3D-Fernsehen ist, dass die Brillen deutlich leichter und günstiger sind, da keine Batterie benötigt wird. So kann man auch eine größere Menge an Brillen kaufen, wenn man Filmeabende mit Freunden macht, ohne größere Ausgaben zu haben. Durch das geringere Gewicht ist das Tragen der Brillen deutlich angenehmer.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Bildschirm nicht an Helligkeit verliert durch die Brille, diese bleibt konstant.

Ein großer Nachteil bei passivem 3D ist allerdings, dass durch die Brillen die Auflösung halbiert wird. So wird ein Full HD Film in 3D nur als HD gesehen. Dies könnte sich mit Ultra HD verbessern, denn dann sind die Filme immer noch in Full HD Qualität zu sehen.

Allerdings gibt es auch das Problem, dass wenn man zu nah am Fernseher sitzt, die Zeilenstruktur sehen kann. Dies liegt einfach am Aufbau der Technik und lässt sich nicht verändern. Am besten ist es, vorher im Geschäft 3D auszuprobieren mit dem Abstand, den man auch zuhause hat. Auch beim Aufstehen verschwimmt das Bild, da es nur in der Horizontalen stabile 3D-Bilder liefern kann.

3D ohne Brillen

Bei 3D-Fernsehen ohne Brille werden 2 verschiedene Bilder direkt auf dem Bildschirm erzeugt. Entweder wird dafür der Standpunkt des Zuschauers ermittelt und das Bild dementsprechend ausgerichtet, oder das Bild wird automatisch in mehrmals nebeneinander gelegt.

Diese Technik ist allerdings noch nicht ausgefeilt und wird selten verwendet, da sie sehr aufwändig ist. Gerade wenn erst ermittelt werden muss, wo der Zuschauer sitzt, sind aufwändige Systeme nötig. Verändert man z.B. die Position beim Schauen, verschwimmt das Bild, weil es genau auf die Position des Betrachters ausgelegt war.

Curved Fernseher als Ersatz für 3D?

Lange Zeit wurden Curved Fernseher als Ersatz für eine 3D-Funktion beworben. Jedoch war der Effekt deutlich geringer beziehungsweise nur geringfügig wahrnehmbar und kein Vergleich zu „richtigem“ 3D. Mittlerweile stellen die meisten Hersteller die Produktion dieser Fernseher ein, weil sie sich kaum verkaufen.

Lediglich Samsung hält weiterhin an den Curved Fernsehern fest. Ein Problem liegt auch darin, dass viele Nutzer meinen, man könne von der Seite schlechter auf den Fernseher sehen, wenn dieser gewölbt ist.

Da sich die Bildqualität nicht wirklich verändert hat durch den gewölbten Fernseher, wurde dieses ebenfalls nur als Zusatzfunktion gesehen und nicht wirklich angenommen.

Die Nutzer von Curved Fernsehern sollen laut Samsung aber entweder ein intensiveres TV-Gefühl durch die Curved Fernseher haben, oder diese von der Optik her ansprechender finden.

Curved Fernseher sind für Nutzer, die wert auf Design legen, oder den gewölbten Bildschirm mögen gut geeignet. „Richtige“ 3D-Technik ersetzen Curved Fernseher aber nicht!

Ist 3D für Fernseher tot oder wird es sich halten?

Tot ist es nicht, dafür werden noch genügend Filme für 3D produziert. Allerdings sind fast alle Hersteller von der 3D-Funktion abgerückt, nur noch wenige produzieren 3D-fähige Fernseher. Wer auf diesen nicht verzichten will, wird diese auch in Zukunft finden, aber mit deutlich kleinerer Auswahl. Ansonsten empfehlen wir, auf dieses Feature zu verzichten und lieber auf andere Aspekte wie Bildschirmauflösung zu setzen, weil die Kosten hoch sind.

Panasonic ist einer der letzten Produzenten, die 3D-Fernseher auch in diesem Jahr noch produzieren. Große Firmen wie Samsung oder Sharp sind längst von 3D abgerückt, da sich laut ihnen herausgestellt habe, dass 3D kein entscheidendes Kriterium beim Kauf eines Fernsehers sei, sondern nur ein zusätzliches Feature, auf das verzichtet werden kann.

Denn insbesondere bei der aktiven 3D-Technologie waren die Anschaffungskosten sehr hoch. Und die meisten Personen nutzen 3D im Gegensatz zu 2D eher sporadisch und nicht so oft, und sehen daher die höheren Kosten nicht gerechtfertigt.

Bei Kinofilmen gab es oft keine Wahl zwischen 3D und 2D, man musste also die 3D-Version nehmen, obwohl der Besucher eventuell lieber 2D sehen wollte. So entstand fälschlicherweise der Eindruck, 3D sei beliebter, als es eigentlich ist. Vielen Besuchern reicht es, ab und zu einen 3D-Film im Kino zu sehen, und benötigen diesen zuhause aber nicht.

In Zukunft könnten wieder vermehrt 3D-Fernseher produziert werden, wenn sich Ultra HD endgültig durchgesetzt hat. Denn die Hersteller können dann Filme mit passivem 3D in Full HD ausgeben, wenn dieser vorher in Ultra HD war. Ob dies aber wirklich zu einer vermehrten Produktion von 3D-Fernsehern führt, bleibt abzuwarten.

Ein größeres Thema könnte Virtual Reality und Augmented Reality werden. Bei diesen werden ebenfalls Brillen aufgesetzt, der Bildschirm ist aber oft in der Brille, und der Nutzer ist quasi direkt im Geschehen. Dadurch ist das Erlebnis deutlich intensiver. Wenn diese Technik ausgereifter ist, könnte Sie 3D ablösen.

Sie sollten vor einem Kauf aber auf jeden Fall alle Kosten bedenken! Denn sie benötigen einen 3D-fähigen Player, z.B. einen 3D-Bluray Player, und 3D-Filme selbst natürlich auch. Und diese müssen alle zusammenpassen!

Weiterhin kann das Tragen der Brillen sehr unangenehm für Brillenträger sein, weil diese quasi 2 Brillen benötigen, die zusammen einiges an Gewicht haben und schwer zusammenpassen.

Gegen 3D spricht zudem, dass nicht jeder Film einen wirklichen Mehrwert bietet. Eine Zeit lang wurden leider Filme nur für 3D produziert, um höhere Einnahmen zu generieren. Allerdings gibt es auch Filme, die in 3D absolut überzeugen, hier gilt sicherlich Avatar weiterhin als gutes Beispiel.

Streamingdienste unterstützen (Stand jetzt) allerdings keine 3D-Filme oder Serien, wer nur diese Dienste nutzt, kann 3D nicht benutzen. In Deutschland gibt es auch leider fast keine TV-Sender, die 3D-Filme ausstrahlen, in Amerika sind diese mittlerweile auch eingestellt. Somit ist die Nutzung von 3D auch stark eingeschränkt.

Solltest du auf 3D-Technik setzen, empfehlen wir dir aber, vorher im Geschäft diese auszuprobieren, um herauszufinden, wie gut sie funktioniert und den Abstand auszuprobieren.

Fazit

Wer wirklich ein Fan von 3D ist, der sollte und kann auch weiterhin 3D-Fernseher nutzen. Wer allerdings nur sporadisch 3D-Filme sieht und es nicht unbedingt benötigt, sollte darauf verzichten, den Curved-  und 3D-TVs sind nicht unbedingt billig in der Anschaffung. In Zukunft wird es andere Technologien und Schwerpunkte wie z.B. höhere Bildschirmauflösung geben.

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