Künstliche Intelligenz – Potenziale und Grenzen

Die künstliche Intelligenz befindet sich deutlich auf dem Vormarsch, wenn auch eher versteckt hinter den Kulissen. Der Traum von intelligenten Robotern, die aussehen und handeln wie Menschen, muss noch etwas warten, derzeit haben wir es eher mit körperlosen Programmen zu tun. Doch auch ihnen gelingt es immer mehr, unseren Alltag zu erleichtern und bestimmte Prozesse zu verkürzen.

Das Entwicklungspotenzial bleibt weiterhin groß, bis ins Unendliche reicht es allerdings nicht. Schauen wir uns doch einmal einige wichtige Bereiche wie die Medizin, den Straßenverkehr und die Sicherheit an – und lassen wir dabei auch das Vergnügen nicht außer Acht.

Denn sowohl bei der Arbeit als auch bei einer guten Partie Poker begegnen uns immer wieder clevere Programme, die wir manchmal kaum bemerken.

Wir befinden uns übrigens in der Phase der schwachen KI, die mit den intellektuellen Fähigkeiten des Menschen nicht gleichzusetzen ist. Das maschinelle Lernen ist von schwankender Qualität, auf diesem Gebiet gibt es noch viel zu tun.

Eine wirklich starke KI, die den Menschen einholt oder sogar übertrumpft, wird laut Expertenmeinungen etwa im Jahr 2040 erwartet. Bis dahin haben wir also noch ein wenig Zeit, um uns an die bisherigen Gegebenheiten zu gewöhnen und entspannt die allmählichen Fortschritte zu beachten.

Wie menschenähnlich ist die moderne KI?

Künstliche Intelligenz bei der Arbeit: ein Jobkiller?

Immer mehr Arbeitsschritte lassen sich durch Programme erledigen: Rechnungsstellung und Buchhaltung waren da nur der Anfang, demnächst könnte durchaus eine umfassende digitale Steuerberatung folgen ebenso wie die Empfehlung maßgeschneiderter Versicherungen und automatische Bearbeitung von Schadensfällen.

Versicherungsvertretern und Steuerberatern wird dies nicht besonders gefallen, obwohl ihre Existenzberechtigung nicht ganz erlischt. Denn menschliche Gesprächspartner lassen sich nun einmal nicht vollkommen ersetzen, der eine oder andere Kunde wird sicher ein persönliches Gespräch dem kalten Rechner vorziehen.

Dort, wo dann tatsächlich Jobs wegfallen, steigt der Bedarf nach IT-Kräften steil an, denn irgendjemand muss schließlich die Technik betreuen. Allerdings wird dieser Arbeitskräftebedarf geringer sein als vorher, und natürlich auch auf anderen Ausbildungswegen basieren.

Professor Dirk Helbig von der Technischen Hochschule Zürich fordert deshalb ein „wertesensitives Design“ im Bereich der künstlichen Intelligenz, um nicht nur soziale, sondern auch verfassungsrechtliche, kulturelle und ökologische Werte zu schützen. Der Einsatz von KIs darf keinesfalls zu Massenarbeitslosigkeit führen – aber wer hält diese Welle auf?

Spielen gegen den virtuellen Gegner: eine Herausforderung!

Künstliche Intelligenzen übernehmen nicht nur unsere Arbeit, sie fordern uns auch zum Spiel heraus. Das herausragendste Beispiel ist sicherlich Schach, denn hier existieren bereits seit vielen Jahrzehnenten entsprechende Computer, die sich als beharrliche Gegner erweisen. Seit der Digitalisierung sind die virtuellen Schachexperten nur noch cleverer geworden.

Die KI Alpha Zero, entwickelt von der Google-Tochter Deep Mind, schlug zuletzt sämtliche Konkurrenz auf dem Gebiet der Shogi-, Go- und Schachprogramme. Und das nach nur vier Stunden Lernen ohne irgendeine externe Belehrung bezüglich der Strategien. Das Spielmuster wirkt dabei erstaunlich menschlich, mit langfristigen Planungen und gezielten Opfern.

Es sind aber noch lange nicht alle Spiele von einer künstlichen Intelligenz beherrschbar insbesondere Poker. Beim Pokern gibt es zwar immer wieder Vorstöße, doch beim No Limit Texas Hold’Em, einer der bekanntesten Varianten, schlagen die Spieler nach wie vor die Maschinen. Vielleicht liegt es daran, dass auf dem Gebiet des Online Poker noch nicht so viel geforscht wurde wie bei der Vorzeige-Disziplin Schach.

Andererseits besteht auch die Möglichkeit, dass die heutigen künstlichen Intelligenzen noch nicht so weit sind, ein echtes menschliches Pokerface zu durchschauen. Zum erfolgreichen Texas Hold’em und Omaha hi-lo gehört eben nicht nur pure Strategie, sondern auch geschicktes Täuschen.

Schach gegen den Computer hat seit Jahrzehnte Tradition

Die KI in der Medizin: Technische Revolution?

Bedeutende Fortschritte gibt es in der medizinischen Diagnostik, hier lernen künstliche Intelligenzen aktuell den menschlichen Körper nach Strich und Faden kennen. Hervorragend ausgebildete, erfahrene Mediziner sind leider weltweit immer noch selten, doch wenn sich nun die Computer in diese Thematik einklinken, gibt es für viele Patienten wieder mehr Hoffnung. Zuständig sind meistens Deep-Learning-Algorithmen, die beispielsweise Tumore erkennen oder den Zustand von Knochen und Organen beurteilen.

Doch auch die Robotertechnik befindet sich auf gutem Wege, beispielsweise haben Bremer Forscher eine intelligente Stützstruktur entwickelt, die Schlaganfall-Patienten wieder auf die Beine hilft. Auch der menschenähnliche Roboter Pepper stammt aus dem hohen Norden, er soll demnächst einfache Aufgaben in der Patientenbetreuung übernehmen.

So könnte er Menschen zum OP führen und ihnen auf dem Weg die wichtigsten Anweisungen geben oder Bettlägerige zu leichten krankengymnastischen Übungen anleiten. Eine echte Pflegetätigkeit durch einen Androiden wie diesem ist allerdings derzeit ausgeschlossen – und wird auf lange Sicht auch nicht machbar sein. Ganz zu schweigen davon, ob es den Patienten überhaupt gefallen würde, von einem Roboter körperlich versorgt zu werden: wahrscheinlich eher nicht.

Die Künstliche Intelligenz im Straßenverkehr: autonome Fortbewegung!

Die Autobranche arbeitet mit Hochdruck daran, immer intelligentere Software in ihre Fahrzeuge zu integrieren. Besonders der E-Auto-Gigant Tesla gerät immer wieder mit seinen Lösungen zum autonomen Fahren in den Fokus, aber auch altbekannte Marken wie VW und Daimler lassen sich nicht lumpen. Das selbstfahrende Auto soll die Technik der Zukunft sein: sicher und entspannt, ohne jegliche menschliche Eingriffe.

Bis dahin ist es aber noch ein sehr weiter weg, denn die Verkehrssituation ist hoch komplex. Sensoren helfen dem System dabei, alle Außenfaktoren aufzunehmen, um diese blitzschnell zu analysieren. Trotzdem kam es in der Vergangenheit bei Testfahrten regelmäßig zu Unfällen, weil die KI bestimmte Daten nicht richtig einordnen konnte und der menschliche Fahrer nicht schnell genug auf den Fehler reagierte.

Wahrscheinlich besteht der beste Weg darin, die Fahrassistenz Stück für Stück zu verbessern und auszubauen, um sie schließlich ins autonome Auto münden zu lassen, statt gleich alles auf einmal zu wollen. Evolutive Entwicklungssprünge lassen sich auch im KI-Bereich nicht erzwingen, das hat die wissenschaftliche Forschung so an sich. Und vor allem dann, wenn es um die Sicherheit von Menschen geht, muss jeder Schritt mit Bedacht erfolgen.

Das Auto wird immer digitaler

Sicherheit steigern mit Gesichtserkennung: Alles klar?

Eine effektive Überwachung des öffentlichen Raumes soll dazu beitragen, dass Verbrecher und Kriminelle schneller erkannt und verhaftet werden können. Einen Beitrag dazu soll in Zukunft die intelligente Gesichtserkennung leisten, die Videobilder automatisch auswertet und bei Bedarf Alarm schlägt. In Deutschland existieren dazu bereits einige Pilotprojekte, zum Beispiel am Bahnhof Südkreuz in Berlin. Doch wer einen Blick hinüber nach China wirft, den beschleichen vielleicht einige Zweifel: Dort befinden sich ähnliche Systeme bereits im Einsatz, um die Bürger flächendeckend zu überwachen und sie durch ein Punktesystem zu gängeln. Aus diesem Grund sind Datenschützer nicht gerade erfreut über die Vorstöße auf deutschem Boden, denn gerade die Gesichtserkennung lässt sich allzu leicht missbrauchen. Als Erkennungssystem zum Öffnen von Türen erscheint diese Technik jedoch eher ungefährlich, ebenso wie das Iris- oder Fingerabdruck-Scanning. Der Zugang zu sensiblen Server-Zentren ist häufig biometrisch gesichert, damit wirklich nur befugte Personen hereinkommen und niemand sonst.

Auf dem Finanzsektor machen sich intelligente Programme ebenfalls aktuell sehr beliebt: Sie entlarven Finanzverbrecher anhand von bestimmten Kontobewegungen und Verhaltensmustern. Visa und Mastercard nutzen schon seit Längerem künstliche Intelligenzen, um illegale Machenschaften aufzudecken und die Kartennutzer zu schützen. Nebenbei soll der Einsatz der KIs natürlich auch dazu dienen, die Gewinne der Unternehmen zu steigern – doch das ist ein anderes Thema.

KI-Programme im Marketing: cleveres Preis Poker

Nachfrage und Angebot regeln den Preis. Doch auch der Vergleich mit den Mitbewerbern besitzt einen großen Einfluss darauf, wie teuer oder billig Waren auf dem Markt angeboten werden, denn die Konkurrenz schläft nie. Aus diesem Grund befindet sich aktuell die dynamische Preisanpassung im Internet auf dem Vormarsch: Ein Programm vergleicht ständig die Preise der Wettbewerber und ihre Produkte mit dem eigenen Angebot und stockt bei Bedarf entsprechend auf oder wertet ab. Aber nicht nur das: Verschiedene Kundengruppen bekommen durchaus unterschiedliche Preise zu sehen, je nachdem, wie die KI sie eingruppiert. Das klingt zwar alles andere als fair, aber dieser Preis Poker belebt das Geschäft und kurbelt den Umsatz an.

Für Kunden lohnt es sich umso mehr, gründlich zu vergleichen und bei einem tatsächlichen Schnäppchen sofort zuzuschlagen, bevor der Preis sich wieder nach oben bewegt. Das reine Anpassen von Preisen ersetzt allerdings nicht den Fachverkäufer, der mit seinen Argumenten manchmal sogar Kunden einfangen kann, die vorher etwas viel Billigeres kaufen wollten. Menschliche Überzeugungskraft steht weit über automatisierten Zahlenspielen, aber darauf müssen Unternehmen im Internet aktuell noch verzichten. Vielleicht wird es in ferner Zukunft aber digitale Verkäufer geben, deren Fachwissen und Einfühlungsvermögen mit einem Menschen vergleichbar ist – wer weiß?